Warum Umsetzung – nicht Innovation – die Gewinner bestimmen wird

14. April 2026
6 min Lesezeit

Wie in der gesamten Geschäftswelt sorgt das Potenzial der Künstlichen Intelligenz auch in der Logistik für große Aufmerksamkeit. Die Aussicht auf schnelle geschäftliche Vorteile ist verlockend – und KI verspricht, diese noch leichter erreichbar zu machen: von verbessertem Entscheidungsvermögen über gesteigerte Produktivität bis hin zu wertvollen Einblicken. Dieser technologische Fortschritt begeistert ebenso, wie er den Status quo infrage stellt. 

Doch obwohl sich die Entwicklung noch in einem frühen Stadium befindet, konnten bislang weniger als 10 % der KI-Anwender in der Logistik einen messbaren Mehrwert erzielen. Zudem befindet sich die Mehrheit der Unternehmen, die sich für das Potenzial von KI interessieren, noch in der Pilotphase. Das bedeutet: Obwohl man sich über das transformative Potenzial einig ist, bleibt die tatsächliche Umsetzung bislang begrenzt. Vor diesem Hintergrund hat die Boston Consulting Group in Zusammenarbeit mit Alpega eine aktuelle Umfrage durchgeführt, um ein klareres Bild davon zu erhalten, wie die Branche KI bewertet – und wo sie den größten Nutzen sieht. 

Die Ergebnisse waren ebenso interessant wie die daraus gewonnenen Erkenntnisse. 

Hier sind einige der wichtigsten Erkenntnisse: 

Mythen und Geschäftsrealität in Einklang bringen 

Es ist nachvollziehbar, dass diese bahnbrechende Technologie – die bereits zahlreiche andere Branchen verändert hat – auch in der Logistik ähnliche Erwartungen weckt. Während KI Innovation und Disruption nahezu gleichsetzt, bleiben die täglichen operativen Anforderungen bestehen. Und obwohl die Teilnehmer der diesjährigen Umfrage (über 180 Experten aus Logistikdienstleistern und Versendern) deutlich stärker vom Wert der KI überzeugt sind, bestehen weiterhin Zweifel – und die Einführung schreitet nur langsam voran. 

Warum? Die Befragten sind der Ansicht, dass KI weiterhin eng mit den operativen Anforderungen in folgenden Bereichen verknüpft sein muss: 

  • Planung 
  • Prognosen 
  • Transparenz 

Bei näherer Betrachtung zählen Transportplanung und -abwicklung, Nachfrageprognosen sowie die End-to-End-Transparenz von Sendungen durchgehend zu den wichtigsten Prioritäten, sowohl für Versender als auch für Logistikdienstleister. Dieses hohe Maß an Übereinstimmung bei den KI-Prioritäten deutet darauf hin, dass der Markt zunehmend reifer wird. 

Doch die klare Einigkeit über diese Prioritäten ist das eine. Die Investitionen zu erhöhen, um den Schritt von vielversprechenden Pilotprojekten hin zu skalierbarem Erfolg zu schaffen, ist etwas ganz anderes. 

Was sind die größten Hürden für die Einführung von KI in der Logistik? 

Der aktuelle Report zeigt einen deutlichen Wandel: Während sich die Diskussionen über KI vor drei Jahren noch darum drehten, ob die Technologie ausgereift und kosteneffizient ist, sind diese Themen inzwischen in den Hintergrund gerückt. Denn heute ist die Einführung deutlich einfacher und kostengünstiger geworden. 

Stattdessen sind andere zentrale Herausforderungen in den Vordergrund gerückt. Rund 40 % der Befragten – sowohl Logistikdienstleister als auch Versender – nennen folgende Punkte als größte Hürden: 

  • Unklarer Return on Investment (ROI) 

KI klingt vielversprechend, doch ohne garantierte Kosteneinsparungen oder Effizienzgewinne zögern Führungskräfte, in eine Technologie zu investieren, die möglicherweise keinen messbaren Nutzen liefert. 

  • Interne Kompetenzlücken 

Derzeit führen begrenzte Datenkompetenz und technisches Know-how dazu, dass Teams gescheiterte Projekte, Abhängigkeiten von Anbietern sowie Tools befürchten, die sie nicht sicher oder effektiv nutzen können. 

  • Integration in bestehende Systeme 

KI muss in oft komplexe und veraltete Systemlandschaften integriert werden. Bedenken hinsichtlich möglicher Störungen, langwieriger Integrationsprozesse und unzuverlässiger Datenflüsse führen dazu, dass Teams befürchten, KI könne Abläufe eher verkomplizieren als vereinfachen. 

Klar ist: Bestehende Betriebsmodelle müssen berücksichtigt werden, damit KI ihnen dient – anstatt sie zugunsten der Technologie grundlegend zu verändern. 

Langsame – und geringe – Einführung 

Die Umfrage zeigt, dass die Einführung von KI insgesamt langsam verläuft und zwischen Unternehmen unterschiedlich stark ausgeprägt ist. 

Rund 40 % der Logistikdienstleister berichten von KI-Einsätzen über Pilotprojekte hinaus, doch nur etwa jeder zehnte hat KI in großem Maßstab in seine Kernprozesse integriert. Und lediglich 13 % erzielen messbaren Mehrwert durch die Einbettung von KI in den täglichen Betrieb. Eine skalierte, durchgängige Einführung bleibt in der Branche weiterhin selten. 

Bei Versendern verläuft die Einführung sogar noch langsamer. 

  • Fast 70 % befinden sich noch in der Erprobungs- oder Pilotphase von KI 
  • Weniger als 10 % geben an, messbare Leistungsgewinne zu erzielen 
  • Nur 7 % können konkrete Verbesserungen in ihren Lieferkettenaktivitäten nachweisen 
  • Lediglich 1 % haben KI fest in ihre Kernprozesse der Logistik integriert 

Kurz gesagt: Während Versender KI noch erkunden, sind Logistikdienstleister in der Umsetzung bereits etwas weiter, auch wenn sie von einer umfassenden Skalierung noch weit entfernt sind. 

Warum KI? Versender und Logistikdienstleister kommen zu Wort 

Im Report nennen nahezu 80 % sowohl der Versender als auch der Logistikdienstleister Kostensenkungen und operative Effizienz als wichtigste Treiber für die Einführung von KI. Logistikdienstleister sehen Effizienz bislang als größten Nutzen, gefolgt von schnelleren Entscheidungsprozessen. 

Auch Versender setzen ähnliche Prioritäten: 60 % konzentrieren sich auf Transparenz und Tracking, etwa die Hälfte auf die Prognose von Transportnachfrage. Dies deutet darauf hin, dass KI in erster Linie als Produktivitätsinstrument wahrgenommen wird – und nicht als Treiber für Umsatzwachstum oder Differenzierung im Service. 

Klar ist: In dieser Phase stehen Kosten und Effizienz im Mittelpunkt. 

Ein Wandel und eine wachsende Kluft zwischen Wettbewerbern 

Die Ergebnisse der Umfrage zeigen, dass sich die meisten Akteure noch auf Pilotprojekte konzentrieren, während die kleine Gruppe, die KI bereits skaliert, beginnt, sich einen Wettbewerbsvorteil zu sichern. Diese Lücke wird sich weiter vergrößern und zu einer klaren Differenzierung im Wettbewerb führen. Und das wird schnell geschehen – ganz im Sinne dieser Technologie wird sich die Entwicklung weiter beschleunigen. 

Bereits jetzt setzen sich die 13 % der Anbieter, die KI in ihre Kernprozesse integriert haben, deutlich von den 56 % ab, die sich noch in der Erprobungs- oder Testphase befinden. 

Klar ist: Der entscheidende Faktor für diejenigen, die sich absetzen, wird nicht die eingesetzte KI-Technologie sein, sondern wie effektiv sie diese mit den Anforderungen und Rahmenbedingungen ihrer operativen Abläufe verknüpfen 

Nächste Schritte: Wie können Logistikverantwortliche Mehrwert aus KI ziehen? 

So vielversprechend KI auch erscheint, sie bleibt ein dynamisches Feld mit sich ständig verändernden Rahmenbedingungen. Um davon zu profitieren, müssen Unternehmen vorsichtig – aber konsequent – vorgehen. 

  • KI mit Geschäftsergebnissen verknüpfen 

Logistikdienstleister müssen den ROI klar und operativ greifbar machen, nicht nur konzeptionell. Das bedeutet, KI-Initiativen gezielt auf konkrete Ergebnisse auszurichten, die für Versender entscheidend sind: geringere Servicekosten, verbesserte Termintreue, schnellere Neuplanung und weniger manuelle Ausnahmen. 

  • KI in Logistik-Workflows integrieren 

Integration ist entscheidend. Der echte Mehrwert entsteht, wenn KI direkt in TMS und operative Workflows integriert wird – also genau dort, wo die tägliche Arbeit stattfindet. 

  • In Menschen investieren – nicht nur in Technologie 

Während KI früher oft als Ersatz für Systeme, Prozesse, Denkweisen – und damit auch für Arbeitskräfte – gesehen wurde, entwickelt sie sich zunehmend zu einer Ergänzung. Ein Werkzeug, das Leistung vervielfacht, statt sie zu ersetzen. Versender und Logistikdienstleister sollten daher den Wert ihrer Mitarbeiter erkennen und in deren Weiterbildung im Bereich KI investieren, um skalierbare und messbare Ergebnisse zu erzielen. 

Zur Veranschaulichung: Wir zeigen, wie ein führendes Versandunternehmen KI erfolgreich einsetzt 

Was noch? 

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