Die Führung im Transportmanagement verlagert sich von reaktiver Ausführung hin zur proaktiver Netzwerkkoordination

7. Juli 2026
3 min Lesezeit

Wien, 30. Juni 2026  

Ein neuer Benchmark-Bericht von Alpega, der gemeinsam mit dem Branchenanalysten Adrian Gonzalez von Adelante SCM entwickelt wurde, zeigt: Das Transportmanagement wandelt sich von einer reaktiven, transaktionsbasierten Abwicklung hin zu einem proaktiveren Modell der Netzwerkkoordination.  

Grundlage sind Befragungen von 56 Verlader-Führungskräften sowie 239 Spediteuren und Logistikdienstleistern (LSPs) aus ganz Europa. Laut Bericht wird dieser Wandel in den nächsten drei bis fünf Jahren die Führungsrolle im Transportmanagement prägen, da Unternehmen zunehmend darauf setzen, Informationen, Partner, Risiken und Entscheidungen netzwerkweit zu koordinieren, statt Sendungen als isolierte Transaktionen zu verwalten.  

Die Ergebnisse zeigen, dass Verlader und Spediteure/LSPs weitgehend eine gemeinsame Vision teilen: ein stärker vernetztes, datengesteuertes und kollaboratives Transportumfeld. Dennoch setzen beide Gruppen unterschiedliche Schwerpunkte. Spediteure priorisieren Rentabilität, Transparenz, Reaktionsfähigkeit und KI-gestützte Entscheidungsfindung.  

Bei Spediteuren und Logistikdienstleistern liegen die wichtigsten Zukunftsmerkmale in der Optimierung der Preisgestaltung, der Routenplanung und der Beladungsentscheidungen zur Steigerung der Rentabilität (53 %), der Echtzeit-Transparenz und der proaktiven Kommunikation mit Verladern (42 %), der hohen Fahrzeug- und Fahrerproduktivität (40 %), der Reaktionsfähigkeit bei Störungen und schwankender Nachfrage (40 %) sowie dem effektiven Einsatz von KI und fortschrittlichen Analysen (35 %). Bei Verladern sind die Prioritäten wie folgt:  

  • 68 % nannten enge Kooperationsbeziehungen zu Spediteuren und Logistikpartnern als eines der wichtigsten Zukunftsmerkmale   
  • 66 % nannten eine starke Netzwerkvernetzung und -integration   
  • 57 % verwiesen auf eine zuverlässige Abwicklung im gesamten Netzwerk.   
     

KI ist Infrastruktur, kein Schlagwort  

Trotz der häufigen Verweise auf KI-gestützte Entscheidungsfindung, Automatisierung und intelligente Kontrollzentren stuften nur 29 % der Verlader und 35 % der Spediteure/LSPs KI als eines ihrer wichtigsten Zukunftsmerkmale ein.  

Der Bericht deutet darauf hin, dass sich die Sicht auf KI verändert: Sie wird weniger als Selbstzweck verstanden, sondern vielmehr als Treiber der Ergebnisse, die Unternehmen priorisieren: Weniger Störungen, schnellere Entscheidungen und eine zuverlässigere Abwicklung im Netzwerk.  

Die Qualität dieser Ergebnisse hängt jedoch von den Daten ab, auf die KI-Systeme zugreifen können. Im Transportwesen entstehen einige der wertvollsten Signale im Tagesgeschäft: Sendungsleistung, Termintreue und Reaktionsverhalten bei Störungen. Diese Daten helfen KI dabei, zuverlässigere Empfehlungen zu generieren und machen es für Fachleute leichter, die Ergebnisse nachzuvollziehen und ihnen zu vertrauen.  

Das erklärt den wachsenden Stellenwert netzwerkbasierter Plattformen. Wer Daten über mehrere Handelspartner und Systeme hinweg bündelt, schafft eine solidere Grundlage für prädiktive Analysen, intelligente Automatisierung und KI-gestützte Entscheidungen – und zwar eine, die die meisten Unternehmen aus ihren eigenen Daten allein kaum aufbauen könnten.   
 

Die Kluft zur Realität  

Gleichzeitig zeigt der Bericht eine erhebliche Lücke zwischen dieser Zukunftsvision und der aktuellen betrieblichen Reife, besonders auf Verladerseite.  

  • Unter den befragten Verladern zählten zu den größten Hürden für schnellere und bessere Entscheidungen: fehlende oder unvollständige Echtzeitdaten (50 %), fragmentierte Daten über verschiedene Systeme hinweg (43 %), die Schwierigkeit, kurzfristigen Druck und langfristige Ziele in Einklang zu bringen (43 %), sowie organisatorische Silos oder fehlausgerichtete Anreize (30 %).   
  • Das spiegelt sich im aktuellen Leistungsstand wider: Nur 27 % der Verlader sehen sich als stark oder gut mit externen Partnern vernetzt, und nur 36 % geben an, dass ihre Transportprozesse weitgehend standardisiert und automatisiert sind.  

Spediteure und Logistikdienstleister sind hier offenbar weiter:   

  • 65 % geben an, dass sie in hohem Maße oder gut mit Verladern und Partnern integriert sind   
  • 71 % geben an, dass ihre Transportprozesse in hohem Maße oder größtenteils standardisiert und automatisiert sind.  

Der Bericht macht jedoch deutlich, dass auch sie vor eigenen Herausforderungen stehen. Als größtes Hindernis nennen sie die Volatilität des Marktumfelds (40 %), gefolgt von inkonsistenten Informationen seitens der Verlader und Partner (27 %), zu vielen an Entscheidungen beteiligten Akteuren (24 %) sowie der Notwendigkeit, Service, Kosten und Kapazitätsauslastung gegeneinander abzuwägen (23 %).   

Die Ergebnisse legen nahe, dass beide Gruppen dasselbe übergeordnete Problem haben – ein Netzwerkproblem, das sich jedoch aus entgegengesetzten Richtungen zeigt. Verladern fehlen oft vollständige und zeitnahe Informationen über ihre Partnernetzwerke. Spediteure und Logistikdienstleister hingegen müssen mit uneinheitlichen Informationen aus eben diesen Netzwerken arbeiten.  

„Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass viele Herausforderungen im Transportwesen letztlich Vertrauensprobleme sind. Verladern fehlt oft der vollständige Überblick über ihre Partnernetzwerke, während Spediteure und Logistikdienstleister mit uneinheitlichen Informationen aus eben diesen Netzwerken arbeiten müssen. Der Aufbau von Vertrauen erfordert einen besseren Informationsaustausch, Transparenz und eine zuverlässige Abwicklung im gesamten Netzwerk. Gleichzeitig macht die wachsende Gefahr von Frachtbetrug die Überprüfung von Partnern und vertrauensvolle Netzwerkbeziehungen wichtiger denn je“, erklärt Adrian Gonzalez, Präsident von Adelante SCM und Gründer von Talking Logistics.   

Als wichtigste Faktoren für Vertrauen in Transportnetzwerken nannten die Befragten Echtzeit-Transparenz (64 %), gleichbleibende Zuverlässigkeit bei der Auftragsabwicklung (64 %) und transparente Kommunikation (63 %).  

Daniel Cohen, CEO der Alpega Group, kommentiert: „Vertrauen im Transportwesen entsteht Transaktion für Transaktion und die wertvollsten Erkenntnisse ergeben sich daraus, zu beobachten, wie sich Partner in großem Maßstab tatsächlich verhalten: Welcher Spediteur erscheint pünktlich, kommuniziert proaktiv, wenn etwas schiefgeht, und liefert auch unter Druck konstant gute Ergebnisse. Genau das beobachtet unser Netzwerk täglich in Tausenden von Geschäftsbeziehungen. Kombiniert man dies mit KI, erhält man Empfehlungen, denen Menschen wirklich vertrauen und nach denen sie handeln können.“  

Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass Führungsstärke im Transportmanagement künftig weniger durch die Abwicklung von Transporten definiert wird als durch die Fähigkeit, Netzwerke zu koordinieren. Um diesen Wandel zu unterstützen, benennt er fünf Handlungsfelder:   

  1. Aufbau der Datengrundlage für KI  
  2. Der Wandel von der Ausführung zur Koordination  
  3. Stärkung der Zusammenarbeit im Netzwerk  
  4. Vertrauen durch Transparenz und Verifizierung aufbauen sowie   
  5. Leistungsmessung über die Kosten hinaus  

Der vollständige Bericht ist hier verfügbar: „From Managing Shipments to Orchestrating Networks

  

Über Adelante SCM  

Adelante SCM ist ein Forschungs- und Beratungsunternehmen mit Schwerpunkt auf Lieferketten und Logistik. Adrian Gonzalez, Präsident von Adelante SCM und Gründer von Talking Logistics, ist ein vertrauenswürdiger Berater und führender Branchenanalyst mit mehr als 27 Jahren Forschungserfahrung in den Bereichen Transportmanagement, Logistik-Outsourcing, globales Handelsmanagement sowie weiteren Themen rund um Lieferketten und Logistik.  

 

Über die Alpega Group  

Die Alpega Group ist Europas führende Plattform für die Transportabwicklung und verbindet Verlader, Spediteure und Logistikdienstleister in 80 Ländern über ein vertrauenswürdiges Netzwerk aus mehr als 80.000 verifizierten Spediteuren und 350.000 täglichen Frachttransaktionen. Vertrauen steht im Mittelpunkt aller Aktivitäten von Alpega – es ist in die Plattform selbst integriert, um der Branche zu helfen, sicher und schnell voranzukommen. Die Plattform von Alpega kombiniert Transportmanagement, Frachtbörse und KI-gestützte Abwicklungsfunktionen, um Logistikteams dabei zu unterstützen, Güter schneller, zuverlässiger und mit größerer Sicherheit zu transportieren – von der Beschaffung und Planung bis hin zur Abrechnung und Transparenz. Alpega betreut führende Unternehmen aus den Bereichen Automobil, FMCG, Pharma, Chemie und darüber hinaus.  

www.alpegagroup.com

 

Für Presseanfragen verwenden Sie bitte die unten stehenden Kontaktdaten. 

Marina Pujol Senior Communications Manager